Aug
06
2009

System(at)isches Enterprise 2.0 im St. Galler Management-Modell

Jüngst haben die beiden INTEL Mitarbeiter Laurie Buczek und Malcom Harkins ein White Paper mit Namen Developing an Enterprise Social Computing Strategy veröffentlicht, in welchem sie die Strategie der nächsten Jahre für den IBM-Konzern beschreiben. Sie kommen zu dem Schluss, dass man gewissermaßen ‘das große Rad drehen’ sollte:

“we quickly realized the importance of rapidly deploying the full social computing stack [...] to realize greater value from social computing—and mitigate the risks associated with unmanaged use of niche or external tools”

Wir können also davon ausgehen, dass INTEL in den nächsten Jahren zu einem Enterprise 2.0 werden wird. Im White Paper wird bereits das Jahr 2010 als Zielgröße angegeben.

Was geschehen soll bei INTEL, wird mit einigen Beschreibungen angedeutet und hört sich interessant an. Auch was die Issues sein werden, wir nicht verschwiegen – immerhin ist einer der Autoren, Malcom Harkins, für die IT-Sicherheit bei INTEL zuständig (chief information security officer).

NeuesStGallerModell-klein2

Neues St. Galler Management-Modell
(Quelle: Dubs et al.: Einführung in die Managementlehre. Downloadbares Kapitel)

Sehr wenig wurde allerdings ausgesagt über

die breitgefächerte Implementierungs-Strategie mit Blick auf die Konzernbestandteile, mit Blick auf die Kommunikationsweisen der einzelnen Divisionen, auf deren Art der Vernetzung, auf Fragen, welche Division eher ein strukturiertes und welche eher ein unstrukturiertes Web 2.0 benutzen sollte, etc. Dies scheinen mir auch hier bei INTEL (aber nicht nur hier) völlig vernachlässigte Kriterien. Spielerisch orientiertes und auf Kreativität abzielendes Web 2.0 in der Forschung und Entwicklung einerseits vs. an Strukturen und Verbindlichkeit orientiertes Web 2.0 in Logistik, Beschaffung und Produktion andererseits wäre beispielsweise solche eine überlegenswerte Kategorie.

Der Komplexität einen Rahmen geben: Das St. Galler Management-Modell

Im Zuge des Kategorisierens könnte man nun im Einzelnen Überlegungen anstellen – über die Kommunikationsweise der Abteilungen, über die natürlichen Netzwerke im Konzern, über dessen Außenkontakte, etwa zu den Medien, zu Kunden, zu Stakeholdern. Und das sollte man auch. Allerdings braucht man hier nicht bei Null anzufangen. Die Management-Literatur füllt ganze Bibliotheken über diese Verhältnisse – auch mit Blick auf Kommunikation, wenn auch (noch) nicht mit Blick auf Web 2.0.

Dennoch lässt sich viel Nützliches aus dieser Literatur herausarbeiten, sowohl was die Implementierung auf Gesamt-Konzern-Ebene bedeutet, als auch mit Blick auf Software-Design. Nur ist es nicht leicht, ein ganzheitliches Abbild eines Unternehmens oder einer Organisation zu erhalten. Die Literatur ist sehr fragmentiert. Ein solches Abbild aber könnte sehr ambitionierten Enterprise 2.0 Initiativen wie der von IBM als Folie dienen, um dem komplexen Mikrokosmos einer Unternehmung irgendwie beizukommen – als Atlas gewissermaßen.

Mir ist hierbei gleich das St. Galler Management-Modell eingefallen (vgl. Abb.). In der systemisch-ganzheitlichen Perspektive dieses Modells spielt – wie bei systemischen Ansätzen üblich – erstens die Kommunikation eine überragende Rolle. Zweitens ist das Modell darauf angelegt, die Reduktion einer Unternehmung rein auf deren Kernaufgaben (Geschäftsprozesse) zu überwinden, indem diese Kernaufgaben in ein komplexes Beziehungsgeflecht von Anspruchsgruppen integriert werden. Deshalb spricht man hierbei auch vom integrierten Managementsystem.


  • http://www.business20.ch Back, Andrea

    Sie schreiben in Ihrem Post, dass es um ein White Paper geht für die Strategie von IBM. Wenn man dem Link folgt, kommt man zu einem White Paper das sich auf die INTEL IT bezieht, nicht IBM.
    Bei der Gelegenheit, auf der gerade neu lancierte Online-Plattform für Enterprise 2.0 Fallstudien, können Unternehmen ihre erfolgreichen Anwendungen nach einem vorbereiteten Raster beschreiben. Schauen Sie mal: http://www.e20cases.org.

    • http://www.cm-development.de/ Stefan Hauptmann

      Sehr schöne Verbesserung. Ganz im Sinne des Web 2.0. Ich danke Ihnen.
      Interessante Idee, das mit den Fallstudien. Die Communote-Studie kenne ich natürlich schon. Mal gespannt, was zuknüftig noch alles dokumentiert wird.

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