Mrz
02
2009

Visualisierung via Social Network Analysis (SNA): Beispiel formale und informelle Entscheidungswege

orgnet.com bietet Dienstleistungen im Bereich Social Network Analysis (SNA) an. SNA ist in der Sozialforschung eine Methode, Kommunikation, Hierarchien, Positionen, etc. in Netzwerken zu untersuchen und zu visualisieren.

Auf ihrer eigenen Webseite veranschaulichen die Leute von orgnet.com beispielhaft formale und informelle Strukturen in Organisationen, Unternehmen, etc. Im Folgenden übersetze ich mal ein, wie ich finde, besonders schönes Beispiel: formale und informelle Entscheidungswege. Hier gehts zum Original.

Entscheidungen in Organisationen

Entscheidungen werden nicht isoliert getroffen – ein Netzwerk, bestehend aus einflussnehmenden Verbindungen, beeinflusst jede wichtige Entscheidung. Wer hat besonder viel Einfluss, wenn wichtige Entscheidungen in der Organisation getroffen werden? Sind es die eigenen Mitarbeiter? Von außen kommende Experten? Beachten einige Manager den Input ihrer Mitarbeiter, während andere eher auf der Grundlage höher rangiger Manager entscheiden, oder auf der Grundlage von externen Experten?

Das folgende Netzwerk zeigt die Management-Hierarchie einer Abteilung in einem großen Unternehmen. Jeder Knotenpunkt bezeichnet einen bestimmten Mitarbeiter in der Organisation. Die funktionelle Position des jeweiligen Mitarbeiters wird durch die Abkürzung bezeichnet; die unterschiedlichen Farben repräsentieren deren hierarchische Position. Die schwarzen Verbindungen kennzeichnen formale organisationale Beziehungen [organisationale Hierarchie]. Dunkel-graue Knotenpunkte bezeichnen wichtige externe Entitäten. Folgend eine Netzwerk-Sicht auf die formale Organisation – die Hierarchie wird in Form eines Speichen-Netztes deutlich.

Bild 1: organisationale Hierarchie (Speichen-Netz)

Die nächste Visualisierung zeigt ein anderes Netzwerk, ist aber die gleiche Organisation. Eine graue Verbindung zeigt an, ob eine Person eine andere um Ideen/Meinungen/Ratschläge bittet, bevor sie eine wichtige Entscheidung trifft. A —> B heißt dann, dass A um Rat bei B fragt. Diese Daten wurden durch Interviews und Fragebogen ermittelt.

Bild 2: Hierarchie + Konversationen vor wichtigen Entscheidungen

Was sagen uns diese unterschiedlichen Verbindungen nun über die Organisation? Ratschläge werden sowohl formal (innerhalb des hierarchischen Musters) als auch informell (außerhalb dieses Musters) erteilt.

  • es bildet sich ein starkes Dreieck aus Input und Feedback zwischen Director 2 und 3 und dem General Manager. Diese starken, auf Vertrauen basierenden Beziehungen sind über viele Jahre der Zusammenarbeit gewachsen und in diesem Verhältnis fest verankert.
  • Director 1 ist neu in der Organisation. Manager 12 hatte sich erhofft, seine Position zu erlangen, aber das Unternehmen entschied sich für Director 1. Beachte, dass Manager 12 lokal noch immer einen starken Einfluss auf das Entscheidungs-Netzwerk hat. Director 1 bezieht keinerlei Informationen seiner Mitarbeiter in seine Entscheidungen ein  (wie gesagt: A–>B bedeutet, dass A Ratschlag bei B ersucht)!
  • Director 4 steht kurz vor dem Ruhestand. Er führte seine Abteilung bereits, als sie noch sehr viel kleiner war als jetzt. Anders als Director 1 bezieht Director 4 allerdings die Informationen von seinen Mitarbeitern in seine Entscheidungen mit ein.
  • Die Entscheidungsmuster in den Abteilungen von Director 2 und 3 unterscheiden sich stark von den Mustern in den Abteilungen von Director 1 und 4. Die Directors 2 und 3 ersuchen Ratschläge und Hilfe von allen Mitarbeitern – ihre Abteilungen zeigen sowohl vertikale als auch horizontale Informationsflüsse. Einige Manager dieser Abteilungen [23, 24, 34 und 35] sind Grenzgänger (Boundary Spanners). Sie sind mit mit anderen außerhalb ihrer Gruppe verbunden. Die Abteilungen 2 und 3 sind ein Beispiel für partizipative Entscheidungsfindung – Inputs sowohl von hierarchisch übergeordneten als auch untergeordneten Mitarbeitern, sowie innerhalb und außerhalb der eigenen Abteilung einbeziehend.
  • Durch die Nutzung der Daten aus diesem Sozialen Netzwerk in der Software InFlow können wir entscheiden, wer ist am einflussreichsten in diesem Entscheidungs-Netzwerk. Wen betrachtest du als die einflussreichste(n) Person(en) des Unternehmens beim Entscheiden?

Also ich würde sagen, am einflussreichsten ist noch immer der General Manager. Es ist ja hier noch nichts gesagt über die Qualität der Verbindungen. Aber wenn der GM sein Handwerk beherrscht, entgeht ihm auch das Wichtigste dessen nicht, das sich z.B. zwischen Director 2 und 3 sowie in deren Netzwerken abspielt.
Kommentare oder Diskussionen sind herzlich willkommen. Mir fällt z.B. noch ein, dass Informationsflüsse quer zu Hierarchien noch lange nicht bedeutet, dass es sich dabei um eine partizipative Entscheidungsfindung handelt. Ob die Direktoren die Mitarbeiter in die Entscheidungen mit einbeziehen, das wurde hier überhaupt nicht gezeigt. Das ist aber etwas anderes als dass sie die Mitarbeiter um Informationen und Ratschläge ersuchen, bevor sie selbst entscheiden.

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