Feb
09
2009

Wissensmanagement im Enterprise 2.0 – Teil 3: Anleitung zum Handeln //Where is the beef?//

In ihrem 3. Teil der Reihe Wissensmanagement im Enterprise 2.0 bieten Simone Happ, Frank Wolf und Christoph Rauhut von T-Systems MMS nun konkrete Handlungsanleitungen.

Wieder einmal eine tolle Präsentation. Wie die Autoren die Knackpunkte bei der Einführung von Web 2.0 im Unternehmen mit emotionalen Stilmitteln auf den Punkt bringen, ist wirklich bemerkenswert. Allerdings: Am Punkt “Handlungsanweisung” stößt die Präsentation, wie so viele Präsentationen zur Einführung von Web 2.0, aber doch an ihre Grenzen. Hierzu möchte ich im Folgenden einige Gedanken zum Besten geben.

Beispielsweise füllen die hier angesprochenen Themen “Integration in Strukturen und Prozesse” oder “Integration mit den Menschen” in der Management-Literatur ganze Bibliotheken. Die Rules of Thumb dieser Präsentation oder auch die Webseite wikipatterns.org geben einem gute Tipps. Aber reicht das, wenn wir professionell Web 2.0 einführen wollen? Was beispielsweise tun, wenn Mitarbeiter, die im Kommunikationsnetzwerk eine Gate-Keeper-Funktion innehaben, sich auf subtile Weise immer wieder der Kommunikation verweigern? Oder es stellt sich bereits zuvor die Frage: Woran erkennen wir überhaupt eine Verweigerung? Oder gar: Woran erkennen wir eine Gate-Keeper-Funktion? Und nun stellen wir uns Fragen wie diese für ein ganzes Netzwerk. Hier stoßen wir mit Daumenregeln schnell an unsere Grenzen.

Womöglich helfen eben jene Management-Strategien und -methoden, die in der Welt des Enterprise 2.0 vergessen scheinen und im Wesentlichen nur noch in Verbindung mit altbackenen Großsystemen auftauchen, z.B.:

Die Funktionsweisen vieler einzelner Maßnahmen aus diesen Konzepten sind noch lange nicht out-of-date. Sie müssen nur an die schlanken Strukturen von Enterprise 2.0-Projekten angepasst werden. Als Anknüpfungspunkte können eben jene oben angesprochene Rules of Thumb herangezogen werden, denn mit deren Formulierung sind die gegenwärtigen Probleme bei der Etablierung von Web 2.0 in Unternehmen immerhin recht deutlich angesprochen. Sie geben sozusagen die Forschungsfragen vor. Anbei die (nicht-technischen) Daumeregeln aus der Präsentation von Frau Happ und Herrn Wolf, und in Klammern die möglichen wissenschaftlichen Systematisierungen:

  • Ein guter Chef in den Mittelpunkt der Kommunikation, Anreize und Rewards, Management-Support (Führungstheorien)
  • abgestimmte Organisation, Kulturelle Basis, Teamgeist (Ethnologie, Soziologie)
  • Offenheit vs. Geschlossenheit (Principal-Agent-Theorien)
  • Semantik vs. Folksonomie (Linguistik)
  • Verknüpfung mit klassischen Events, Erfolge promoten (systematisches Marketing)
  • Kontinuierliche Change-Aktionen (systemisches Management)
  • Schulung und Lernen, reverse Mentoring (Pädagogik)

Leider kommt aus den Universitäten noch nicht allzu viel Vermittelbares zum Thema Enterprise 2.0. Aber wir sollten hier die Augen offen halten. Die Lösungen gegenwärtig vieler Probleme stecken in bereits vorhandenen Management-Konzepten. Auch die sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse sind im Grunde vorhanden. Psychologen, Soziologen, Betriebswirtschaftler, Pädagogen, Sprachwissenschaftler (vgl. z.B. der Beitrag zum Smily), womöglich auch Anthropologen und Ethnologen, ich erwarte, dass sich bald auch die besten unter ihnen auf das Thema Web 2.0 stürzen und schon in naher Zukunft mit tollen Ergebnissen aufwarten werden. Denn der kommunikative Paradigmenwechsel ist spätestens seit Obamas Wahlerfolg unübersehbar.

Auch wir von cm|d sind hierbei nicht untätig. Gegenwärtig ‘bauen’ wir auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Sozialforschung einen Navigator, mit dem auf systematische Weise die Web-2.0-Kommunikation im Unternehmen überwacht und gesteuert werden kann.

Hier gehts zu den übrigen Teilen der Reihe Wissensmanagement im Enterprise 2.0:

Teil 1: Der Wikipedia Irrtum

Teil 2: Die Entdeckung des Menschen

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