Nov
10
2008

Wiki Einsatz bei der Synaxon AG – Eine Kollage

Quelle: brand eins 3/2007Social Software ist zur Realität geworden in deutschen Unternehmen. (Die Auszüge stammen aus brand eins, “Die Gläserne Firma”)

Ein Beispiel
Eine Mitarbeiterin war mit der für den Paketversand zuständigen Firma unzufrieden und formulierte die entsprechende Regel im Wiki gemeinsam mit einer Auszubildenden um: Ab sofort wird ein neuer Versender beauftragt. Eine Änderung mit Konsequenzen, weil mit dem bisherigen Paketdienst ein konzernweiter Vertrag bestand. Roebers sprach mit seiner Kollegin über die Gründe für die Regeländerung, erkannte sie als sinnvoll, und so hat sie Bestand: Der neue Versender wird beauftragt, bis der alte die Probleme im Griff hat. [...]

Selbstverständlich wäre das Problem mit dem Postversand auch ohne das Mitmach-Netz zu lösen gewesen. Beispielsweise hätte die Angestellte ihren Vorgesetzten darauf ansprechen oder ihm eine Mail schicken können. Möglicherweise hätte der sich um die Sache gekümmert. Möglicherweise aber auch nicht, aus Zeitmangel oder weil er Besseres zu tun gehabt hätte. Dann wäre sie enttäuscht gewesen und hätte sich weiter über den Paketdienst geärgert. So etwas passiert in den meisten Firmen tagtäglich, führt zu Frust und dazu, dass wertvolles Wissen brachliegt.

Das Problem

Herr Roebers, der Chef dieser Mitarbeiterin und Vorstandssprecher der Synaxon AG dazu:

“Ich formuliere Regeln und stelle irgendwann fest, dass sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht eingehalten werden. Was soll ich tun? Eine Revisionsabteilung gründen, die regelmäßig alles kontrolliert? Oder die Dinge laufen lassen und irgendwann den Überblick verlieren über das, was wirklich in der Firma passiert?”

Die Ursache, erkannte Roebers, ist, dass Wissen nicht schnell genug dorthin fließt, wo es nützt. [...] das Problem des schleppenden Wissenstransfers.

Die Lösung
Das Vorbild: Schreiben in der Wikipedia? Wieso nicht?

Um herauszufinden, wie und warum Wikipedia so gut funktioniert, betätigte sich Roebers im vergangenen August “mit zitternden Fingern” selbst als Autor. [...]

Der Artikel sei gut gewesen, sagt Roebers, aber das Layout schlecht, weil er sich damals noch nicht mit dem für ihn ungewohnten Wiki-Editor auskannte. Roebers beobachtete, was passierte: Fünf Minuten nach Beenden seines Artikels hatte irgendjemand den Text in Form gebracht. 20 Minuten später war er mit Links versehen. Es folgten in kurzer Zeit rund 20 weitere Editionen und Diskussionsbeiträge, die, so Roebers, “alle sinnvoll waren”.

Wieso eine Wiki?

Es ist einfach zu bedienen, und man muss niemanden fragen.

Das klingt simpel, ist aber entscheidend für die erfolgreiche Kollaboration.

Kollaboration mit Social Software
Wiki schön und gut, aber im Unternehmen?

Roebers war fasziniert und beschloss, bei Synaxon ein Wiki einzuführen. Technisch war das kein Problem, weil die Software frei ist. Widerstände gab es in der Firma trotzdem, unter anderem von IT-Leuten und einigen Führungskräften. Mancher befürchtete, dass die Idee der kollektiven Firmenintelligenz im Chaos enden würde. Doch Roebers ließ sich nicht beirren: Im vergangenen Oktober wurde das Firmen-Wiki eingeführt. [...]

Roebers geht mit gutem Beispiel voran und arbeitet konsequent firmenöffentlich. Mittlerweile sei das Wiki ein Arbeitsmittel, das viele ganz selbstverständlich nutzen.

Die Mitarbeiter sind aber doch zum Arbeiten im Unternehmen, nicht zum Schreiben und Diskutieren. Es wurde etwa das Verbot des privaten Internetsurfens durch eine lebensnähere Vorschrift ersetzt: In den Arbeitspausen ist es erlaubt, solange [problematische] Inhalte gemieden werden. Woraufhin jemand die Frage aufwarf, ob privates Surfen nicht als geldwerter Vorteil zu versteuern wäre – was nach einigem Hin und Her verneint wurde.


Die Frage ist also:

Ufern solche Diskussionen nicht aus? “Nein”, sagt Roebers. “Das regelt sich von selbst. Außerdem”, fährt er mit einem Zwinkern fort, “weiß ich jetzt, wen ich künftig beim Thema geldwerte Vorteile ansprechen kann.”

Was brauchts, damit es klappt?

Entscheidend dabei sind Vorbilder, die einen gewissen Stil prägen – Chefs wie Roebers, die selbstbewusst genug sind, sich verbessern zu lassen. Angst davor, an Autorität zu verlieren und zum “Grüß-August mit Haftungszulage” zu mutieren, hat er nicht. Allerdings ist er davon überzeugt, dass Instrumente wie das Wiki althergebrachte Hierarchien infrage stellen. “Auf lange Sicht wird Wissen Macht schlagen, es wird eine neue Elite entstehen.” Im eigenen Unternehmen fielen ihm dank des Wikis bereits neue Talente auf.

Ein Fazit

Techniken wie die Wikis sorgen für bislang ungeahnte Transparenz in Arbeitsbeziehungen: Jeder kann sehen, was jeder leistet.

Und sie erlaubt eine viel effektivere Zusammenarbeit, die Unternehmen erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen kann. Das ist Roebers’ langfristiges Ziel, deshalb ist er bei seiner Arbeit an der gläsernen Firma noch ein paar Schritte weitergegangen: Neben dem Wiki für Synaxon gibt es eines für den engeren Kreis der Franchise-Nehmer und eines für den weiteren Kreis der Partner-Firmen. Auch sie können mit ihren Beiträgen Einfluss auf die geltenden Regeln der Zusammenarbeit nehmen: eine für die auf strikte Vorgaben und eine klare Aufgabenteilung beruhende Franchise-Branche unorthodoxe Idee.

Und wie stehts mit dem Kaufmännischen?

Roebers will die Beiträge der Partner auch honorieren. Er beziffert den Wert des Know-hows, das Synaxon ihnen liefert, auf jährlich 500 000 bis 700 000 Euro – wenn die Partnerfirmen zu diesem Wissen etwas beitrügen, hätten sie Anrecht auf einen gerechten Anteil.


Sehr Interessant: In ihrem Blog führt Frau Back ein Video-Interview mit Herrn Röbers von der Synaxon AG.

  • http://www.zeitong.de Zeitungsjunge

    Ich denke der artikel sagt alles aus um etwas zu verstehn sollte man es selbst probieren;)

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